Angst vor Krankheiten als anerkannter Reiserücktrittsgrund?

Sonntag, 29. April 2012

Reiserücktrittsversicherungen erstatten dem Versicherten allfällige Stornogebühren zurück, wenn die Reise nicht angetreten werden kann. Allerdings muss der Rücktritt von der Reise aus einem anerkannte Grund geschehen, der die Reise überdies unzumutbar machen würde.

Die Vorfreude auf den Urlaub wehrte lange, doch kurz bevor endlich die Abreise vor der Tür steht, kommt etwas dazwischen. Wer eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, der ist für diese Fälle finanziell abgesichert, allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen:

  • der Grund für den verpassten Reiseantritt ist ein in den Versicherungsbedingungen anerkannter Reiserücktrittsgrund,
  • der Reiserücktrittsgrund ist so schwerwiegend, dass der Antritt der Reise nicht länger zumutbar wäre und
  • der Rücktrittsgrund tritt unerwartet auf.

Die von den Reiseversicherungen anerkannten Rücktrittsgründe unterscheiden sich zwar im Detail, versichert sind aber in der Regel folgende “Ursachen”:

  • ein Todesfall unter den Angehörigen oder Mitreisenden
  • ein schwerer Unfall
  • eine gravierende Erkrankung
  • eine unerwartete Schwangerschaft
  • ein Verlust des Arbeitsplatzes
  • ein schwerer Schaden am Eigentum
  • eine plötzliche Impfunverträglichkeit

Eine plötzlich auftretende Angst vor Gesundheitsgefahren im Urlaubsland gehört aber nicht zu den von einer Reiserücktrittsversicherung erfassten Versicherungsleistungen. Das hat nun das Amtsgericht München festgestellt.

Der Versicherungsfall

Ausgangspunkt der Gerichtsverhandlung war eine von einer Familie gebuchte zehntätige Urlaubsreise nach Mauritius, dem traumhaft schönen Inselstaat im Indischen Ozean, gut 1.700 km von der Ostafrikanischen Küste entfernt.
In den Medien vernahm die Familie kurz vor der Abreise mehrere Berichte, dass sich ein von Mücken übertragener Virus, der sehr gefährliche Chikunguya-Virus, auf Mauritius ausbreite. Der Vater stornierte daraufhin die bereits bezahlte und teure Urlaubsreise in das Inselparadies. Die Familie wollte von der Reiserücktrittsversicherung nun:

  • den Reisepreis und
  • die Stornokosten zurückerstattet haben.

Der Grund, so der Mann: Seine Frau habe durch die Meldungen von dem gefährlichen Virus einen psychischen Schock erlitten; unerwartete psychische Erkrankungen seien als Reiserücktrittsgrund anerkannt.
Die Versicherung weigerte sich aber zu zahlen, der Fall landete vor Gericht.

Der Urteilsspruch

Das Münchener Amtsgericht gab nun in seinem Urteil dem Reiserücktrittsversicherer Recht. Die Begründung des Urteils lautete:

  • Reiserücktrittsversicherungen haben nicht den Zweck, den Versicherungsnehmer vor allgemeinen Lebensrisiken wie vor einer erst nach der Reisebuchung erkannten oder bekanntgewordenen Gesundheitsgefahr zu schützen.

Hinzu kommt, dass der eigentliche Rücktrittsgrund nicht die psychische Erkrankung der Ehefrau, sondern die Pressemeldungen über den gefährlichen Chikunguya-Virus war. Panikattacken, die auf Grund medialer Unkenrufe hervorgerufen werden, lassen sich aber nicht versichern.
Die Familie muss also für den finanziellen Schaden durch die Stornokosten und den bereits bezahlten Reisepreis selbst aufkommen.